Frei.Wild – 30.04.2015, Jahrhunderthalle Frankfurt

Bereits 2011 hatte ich Frei.Wild live in Frankfurt gesehen und muss sagen, dass mir das Konzert damals nicht besonders gut gefallen hat. Nachdem ich von dem neuen Album „Opposition“ hingegen erstaunlich angetan war, habe ich spontan entschlossen, das Frei.Wild Konzert in der Jahrhunderthalle in Frankfurt mitzunehmen. Ich hatte zwar keine Karte, war mir aber sicher, vor der Halle fündig zu werden. 

Nachdem ich um 16:30 Feierabend gemacht habe, begebe ich mich auf den Weg nach Hause, um mich fix umzuziehen, das Auto bei meinen Eltern abzuholen und mich auf die Fahrt nach Höchst zu machen. Womit ich nicht gerechnet habe, ist der Verkehr. Fluchend sitze ich im Stau während ich meine Chancen, rechtzeitig vor der Halle zu sein um noch eine Karte auf dem Schwarzmarkt zu ergattern schwinden sehe. Gegen 18:30 erreiche ich endlich die Halle, parke mein Auto optimistisch für 5€ auf dem zur Verfügung gestellten Parkplatz und mache mich auf die Suche nach Menschen mit Karten in der Hand. Schnell werde ich fündig, jedoch kann man mir nur noch Sitzplatzkarten anbieten. Stellt bei der Jahrhunderthalle aber kein Problem dar, da man ohnehin über den Innenraum auf die Ränge gelangt. Ich bezahle also auf Grund meiner um diese Uhrzeit geringen Chancen einen andern Händler mit besseren Preisen zu finden 60€ für das Ticket. In dem Moment, als der Handel abgeschlossen ist, versucht ein junger Mann, dem Schwarzmarkt-Trio seine Karten für 50€ zu verkaufen. Ist den dreien zu teuer. Ich kann mir die Gewinnspanne also selbst ausrechnen, werde dadurch aber nicht in meiner Laune getrübt und begebe mich noch einmal zurück zu meinem Auto, um meine Sachen zu verstauen.

In der Halle angekommen suche ich zunächst einen Bierstand, wo ich mir ein Pils für 4,20€, kredFreiWildBecherenzt in einem bedruckten Frei.Wild-Becher gönne und begebe mich dann in den Innenraum. Die Halle ist bereits gut gefüllt und ich bemerke, dass ich in meinem grünen Green Lantern T-Shirt etwas auffallen dürfte zwischen dem vielen Schwarz. Ich stelle außerdem fest, dass fast nur Frei.Wild Shirts zu erblicken sind. Außerdem sehr wenige Onkelz-Shirts und so gut wie keine Shirts anderer Bands – eine Handvoll Festival-Shirts sind jedoch schon dabei. Ich sehe zu meiner Freude nicht eine Person mit Thor Steinar Klamotten oder anderer „einschlägiger“ Marken.

Frei.Wild werden ohne Vorgruppe starten und während ich noch gespannt bin, wie das wohl sein wird, wird irgendwo in der Menge „Mexico“ angestimmt, was sogleich einen Großteil der Halle zum Mitsingen motiviert. Neben mir entflammt in einer Gruppe saarländischer Fans eine Diskussion darüber, ob die Onkelz im Ganzen und Gonzo im Speziellen nun noch tragbar seien oder nicht. Eine Einigkeit zu diesem Thema kann nicht erzielt werden und so verebbt die Diskussion auch irgendwann wieder. Währenddessen wird die Musik vom Band immer lauter, die Menge tanzt und feiert zu Green Day, Bloodhound Gang und The Offspring und mit einem Blick auf die Uhr frage ich mich, wann das Spektakel nun eigentlich losgehen soll. Gegen 20:30 geht dann das Licht in der Halle aus und auf den Leinwänden neben der Bühne wird ein Video abgespielt, das die Jungs auf Erkundungs-Tour durch Frankfurt zeigt. Mir gefällt die Idee, dadurch die Vorgruppe zu ersetzen, es ist schön, die Orte wiederzuerkennen, an denen sie sich rumtreiben. Philip nimmt an der Tour nicht teil, er liegt wegen einer Magen-Darm-Erkrankung am Tropf. Aber auch er verliert von der Liege aus ein paar Worte an das gespannt wartende Publikum. Das Video ist recht kurz und so fängt die Show gegen 20:40 auch schon an; die Jungs betreten die Bühne und rocken direkt los.

Die Setlist beinhaltet viele neuere Stücke, was mir persönlich sehr gut gefällt, da mir die Musik der jüngeren Alben deutlich mehr zusagt, aber sie haben auch ein paar ältere Stücke im Gepäck denen ich sehr zugetan bin. Besonderen Spaß habe ich an „Wir brechen eure Seelen“, der „LUAA Rock’n Opposition“, „Halt deine Schnauze“ und „Wir gehen wie Bomben auf euch nieder“. Zu „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ fallen mir sofort ein paar Leute ein, denen ich das Lied gerne einmal vorspielen würde und bei den ruhigeren Stücken „Wie ein schützender Engel“ und „Du bist sie“ schweifen meine Gedanken nach Süd-Osten ab und ich bekomme leicht feuchte Äuglein. Auch wenn der Burger bei letzterem Stück ein wenig Textunsicherheit an den Tag gelegt hat, aber das möchte ich mal wohlwollend auf seinen Zustand schieben. Laut einer seiner Ansagen stand nämlich ca. drei Stunden vor Konzertbeginn noch zur Debatte, den Gig abzusagen. Nach reichlich Zuspruch aus dem Fanlager und dem Vorschlag, die Band solle doch einfach so lange spielen, wie der Philip kann hat man sich jedoch entschieden, genau dies zu tun. Jeder, der mal eine Magen-Darm-Erkrankung hatte (also quasi jeder) kann sich vorstellen, wie anstrengend so ein Konzert für einen Sänger sein dürfte. Also ich schaffs ja meist nur vom Bett zum Klo und zurück xD.

Zwischendurch spricht die Band auch noch das Buch von Klaus Farin an und macht eine kurze Fragerunde zu den statistischen Erhebungen, welche über Frei.Wild Fans aufgestellt wurden. Dabei stellt sich raus, dass ich mit 34 offenbar zu alt bin, um Frei.Wild Fan zu sein und als ITler noch dazu den falschen Beruf habe. Macht aber nix, ich darf trotzdem bleiben.

Ist Südtirol ob seinem Ausdruck der Heimatliebe ja einer der „umstrittenen“ Frei.Wild-Songs bin ich vom Publikum sehr überrascht. Es wird gefeiert und getanzt, nicht alle singen mit (vermutlich, weil man sich selbst nicht allzu sehr mit Südtirol verbunden fühlt) und keiner der mitsingt tut dies mit ernster Miene oder hält sich dabei gar die Hand an die Brust. Generell ist die Stimmung angenehm fröhlich und ausgelassen und es gibt keine Anzeichen von Stress, alle haben einfach nur Spaß an dem Konzert. Auch der Band macht das Lied sichtlich Spaß und warum auch nicht? Wenn ich ein Lied über Oberrad geschrieben hätte und Tausende von Leuten würden das mit mir zusammen singen, wäre ich ein Typ, ich würde mir einen drauf runterholen.

Gegen 22:15 verlassen die Jungs dann die Bühne um ca fünf Minuten später mit den letzten drei Songs zurückzukehren. Gegen 22:40 erklingen die letzten Takte von „Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben“ und dann verlässt die Band nochmals kurz die Bühne um kurze Zeit später mit ihrer Crew wieder zu erscheinen. Während „Die Band, die Wahrheit bringt“ vom Band abläuft, verabschieden sich die Jungs von ihrem Publikum, singen gemeinsam mit diesem das Lied mit und liegen sich auf der Bühne mit ihrer Mannschaft in den Armen. Ich finde es erst etwas seltsam, ein Lied der Band, die gerade ein Konzert gespielt hat vom Band zu hören, aber letztendlich gefällt mir die Idee gut. Man kann noch einmal gemeinsam mit seinen Fans den Ausklang des Abends genießen, noch ein Liedchen mit ihnen schmettern ohne sich auf die Instrumente konzentrieren zu müssen.

Insgesamt fand ich es ein wirklich gelungenes Konzert, ich hatte viel Spaß, viele nette Menschen um mich herum, Philip kommt live super sympathisch rüber (ich steh total auf seine dreckige Stimme) und auch das etwas ungewohnte Konzept (keine Vorgruppe und das Lied vom Band am Ende) konnten mich überzeugen. Gegen 23:00 Uhr bin ich also glücklich und zufrieden in mein Auto gestiegen und verschwitzt und selig nach Hause gefahren.

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