Böhse Onkelz – Memento-Tour – 16.11.2016, ÖVB Arena Bremen

Die Reise beginnt. Eine Reise, von der ich nicht weiß, wo sie mich hinführen wird. Weder körperlich, noch schriftlich und schon gar nicht mental. Nur physikalisch, da weiß ich genau, wo es hingeht. Heute nach Bremen. Und kommende Woche dann von Frankfurt nach Dortmund und zurück nach Frankfurt. In der Heimat noch den Freunden von Niemand die Ehre zum 5-jährigen Jubiläum erweisen und dann weiter nach Stuttgart. Von dort aus macht das Konglomerat des Böhsen sich auf den Weg nach Wien um dann über Zürich wieder Richtung Norden, nach Hannover zu reisen. Leipzig, Hamburg und Berlin sind die letzten Stopps im Norden, bevor es dann in den Süden nach München geht um die Reise dann in Frankfurt wieder zu beenden. Rund 5000 KM. 5 Wochen unterwegs, 5 Wochen Freunde in jeder Stadt treffen und wiedersehen. 5 Wochen Wahnsinn. Und er beginnt heute. Um 14:00, als ich im Büro meine Sachen packe und mich auf den Weg mache, um am Bahnhof den Hessen zu treffen, denn unser Zug geht um 14:58. Beim Abschied von den Kollegen wird mir das Ausmaß des Wahnsinns dieses ganzen Plans bewusst, als meine Kollegen meinen Reiseplan schlicht und ergreifend mit einem „Das ist doch verrückt“ klassifizieren. Stimmt.

Wir finden uns an Gleis 8 und machen uns auf den Weg zum passenden Abschnitt für unsere Sitzplatzreservierung. Natürlich sind wir viel zu früh und so bleiben noch gute 20 Minuten zum Hibbeln und Hoffen, dass der Zug pünktlich sein möge, unser Zeitplan ist relativ knapp gehalten. Alles geht gut und im Zug stellen wir fest, dass wir das Abteil mit zwei (wie sich im weiteren Verlauf der Fahrt herausstellen soll) sehr redseligen Damen teilen. Ein letzter Wehmütiger Blick auf die Skyline und dann fahren wir dem ersten Stopp – Hannover entgegen.

In Hannover sind wir mit Maggi und seinem Kumpel am Gleis verabredet, im Zug wird FaPi an unseren Sitzplätzen warten. Die Vorfreude wächst. Das Zusammenfinden verläuft problemlos, bei Einfahrt des Zugs können wir geschlossen nach FaPi suchen. Auch der ist schnell gefunden und so befinden wir uns auf der letzten Etappe vor Bremen.

Um 18:44 steigen wir aus dem Zug, suchen zunächst die Schließfächer auf und machen uns dann auf den Weg zur Halle, welche sich praktischerweise direkt gegenüber des Bahnhofs befindet. Im Bahnhof finden wir bereits den Freund von Discere und auch sie haben wir bald gefunden. Vor der Halle versuchen wir uns dann mit den Rest zusammenzutippen, als dies jedoch einigermaßen erfolglos erscheint, beschließen wir, uns erst mal in die Halle zu begeben. Wir kommen auch recht schnell durch und können uns dann drinnen am Merchstand mit dem Nürnberger und seinem Kumpel zusammenfinden. Fehlt nur noch die Truppe um den Kanzler. Die lassen auch noch eine Weile auf sich warten und immer ist jemand anderes weg. Am Merchstand, bei der Garderobe, auf der Toilette, beim Bierholen. Schließlich hat es auch der Rest geschafft, Boysen mit Anhang, der Kanzler und auch WolfsBlut stoßen zu uns. Nun aber ab in die Halle.

Der Innenraum ist schon recht gut gefüllt, wir stehen relativ weit hinten. Ist mir recht, heute will ich irgendwie erst mal schauen. Ist auch für mich in gewisser Weise eine Generalprobe. Ein einzelnes Konzert, per Zug, noch im Alltag. Bevor es dann losgeht in den Wahnsinn. Die Lichter in der Halle gehen aus und die Musik geht los. Schade, ich hatte gehofft, sie würden es nicht tun. Der Opener gefällt mir nicht. Der muss drücken und das tut er nicht. Das was beim zweiten Song passiert, DAS erwarte ich von einem Opener. Mal sehen, vielleicht kann ich meine Meinung dazu im Laufe der Tour noch anpassen. Vielleicht von weiter vorne.

Generell kommt mir die Stimmung etwas verhalten vor. Ich weiß jedoch nicht, wie das weiter vorne aussieht. Allerdings wirken viele auf mich eher ehrfürchtig denn in Partylaune. Was ich absolut nachvollziehen kann, viele werden nicht am Ring gewesen sein, es dürfte einige in der Halle geben, für die das das erste Onkelz-Konzert seit Jahren ist, wenn nicht überhaupt. Und für uns alle ist es das erste Hallenkonzert seit mindestens zehn Jahren. Die neuen Songs haben die Stimmung auch etwas gedrückt. Was jedoch nicht an den Songs an sich lag, sondern viel mehr daran, dass sie noch zu neu sind. Ich hab es bei mir selbst bemerkt. Ich muss mich noch viel zu sehr auf den Text konzentrieren, um dabei auch noch gebührend abgehen zu können. Ich denke dies wird sich im Laufe der Tour noch legen. Bei den alten Songs ist die Stimmung jedoch vertraut. Und dann kommt Mexiko. Und während ich erlebe, was um mich herum passiert, kann ich nicht verstehen, wie jemand fordern kann, dass dieses Lied nicht mehr gespielt wird. Die Stimmung explodiert, alle tanzen oder pogen fröhlich, alle grölen mit, es ist einfach eine riesen Party auf die ich nie niemals verzichten will.

Die Bühne die die Jungs sich haben konzipieren lassen ist gigantisch. Diese Leinwände an der Decke, deren Wirkung mir besonders bei „Kirche“ aufgefallen ist, erwecken eine besondere Atmosphäre. Und ich finds gut, dass man auf den Konfettimüll verzichtet hat und das ganze nur noch visuell anbietet.

Die Setlist war irgendwie … irre … ich hatte das Gefühl ständig hin und hergeschmissen zu werden, zwischen alt und neu, Klassiker und Rarität, ich war von vielen Stücken überrascht, weil ich entweder erwartet hätte, dass sie aus dem Set geschmissen werden oder weil ich nicht erwartet hätte, dass sie ihren Weg hinein finden. „Nie wieder“ zum Beispiel. Auch wenn ich  noch nie irgendwo Dreck aus einer Gosse lecken musste, transportiert das Lied eine Botschaft, die mir gefällt, die ich stark finde. Und sie passt auch irgendwie noch immer zu den Onkelz. Oder vielleicht auch grade jetzt. „52 Wochen“ war mein persönliches Highlight. Dass ich dieses Lied nun noch 19 Mal raus schreien darf ist denke ich Therapie genug. Dann sag ich gerne „Hallo 2017, komm rein und benimm dich.“. Beim „Schutzgeist der Scheiße“ heißt es Augen zu und durch und bei „Wo auch immer wir stehen“ kann man sich gut in die Arme fallen. Also ich habe derzeit an der Setlist nichts auszusetzen, ich bin gespannt ob sich das im Laufe der Tour ändert.

Das ganze Spektakel geht bis kurz nach zehn und dann gehen die Lichter auch schon wieder an. Wir stehen noch ein wenig rum, schnacken, tauschen uns über die Setlist aus, machen Fotos mit dem Banner, bis wir aus der Halle gekehrt werden. Auf dem Weg nach draußen gibts die ersten Verluste. Maggi und sein Kumpel mussten sich auf den Weg zum Zug machen und der Kanzler sowie auch Boysen und WolfsBlut sind verschwunden. Ich stehe mit dem Hessen, Discere, ihrem bald Angetrauten, dem Nürnberger und seinem Kumpel draußen, als wir Jura und Bambi treffen. Es wird noch lange geschnackt und plötzlich tauchen auch der Kanzler und der Rest der Bande wieder auf doch irgendwann müssen der Hesse und ich uns auf den Weg zurück zum Zug machen. Auf dem Weg gönnen wir uns noch einen extra sauren Mini ChupChups, sprinten zu den Schließfächern um dann doch wieder zu früh am Gleis zu sein.

Nachdem der Zug eingefahren ist beziehen wir unser Abteil. Zu unserer Freude stellen wir fest, dass wir allein sind und somit jeder eine Bank zum schlafen hat. Weniger schön ist die Tatsache, dass die Heizung komplett durchdreht und den kleinen Raum in eine Sauna verwandelt. Sieben Stunden Heimfahrt liegen vor uns, die meiste Zeit verbringe ich damit, den Hessen zu beneiden dass er quasi in dem Moment eingeschlafen ist, als er sich hingesetzt hatte. Zwischendurch scheine ich auch immer mal wegzunicken, der Schaffner sorgt mit seinen Durchsagen alle zwanzig Minuten jedoch dafür, dass es beim Wegnicken bleibt. Wieder ein neidischer Blick auf die andere Bank. Um 7:04 Uhr kommen wir dann am Frankfurter Hauptbahnhof an. Fit ist anders aber ich war auch schon zerstörter. Duschen wäre super, ist aber nicht drin. Ich verabschiede mich vom Hessen und mache mich auf den Weg durch den kalten Frankfurter Morgen Richtung Galluswarte ins Büro.

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