BOSCA – 10.03.2017, Batschkapp Frankfurt

Endlich geht sie los, die langersehnte Cobra 3 Tour. Und ich bin erkältet. Juhu. Gestärkt mit Ibu, Hustenstiller und ein paar Heilkräutern mache ich mich mit dem Hessen und meinem Bruder auf den Weg Richtung Batschkapp. Wir erreichen unser Ziel relativ zeitgleich mit unseren beiden noch zu treffenden weiteren Begleitern und nachdem man sich zusammengefunden hat, begeben wir uns zum Einlass. Vor diesem hat sich eine lange Schlange gebildet und einigermaßen unmotiviert stellen wir uns an. Es geht relativ schnell voran, sodass wir eher als erwartet in der Halle sind. Es wird direkt der Oberrang gestürmt, der Hesse steuert zielstrebig auf die Sitzgruppe an der Wand zu, meiner Bruder und ich folgen gern. Ebenfalls folgen Kaltgetränke und Warten auf den Beginn des Spektakels.

Gegen acht soll es losgehen, kurz vorher verlegen wir unsere Warteposition von der Sitzecke an einen der Stehtische, an dem Tobi inklusive mir unbekanntem Kumpel die Stellung gehalten haben. Immer wieder dröhnen Fangesänge – so gut wie immer thematisch im Fußball angesiedelt – durch die Halle. Um 20:10 Uhr geht es dann in etwa los. Hadi Bougart führt durch den Abend und kündigt den ersten Act an, Baby Shoo Entertainment eröffnen mit zwei Mädels, wovon eine beatboxed und die andere dazu singt. Unter anderem kommt noch ein tanzender Typ dazu und das singende Mädel zeigt noch ein bisschen mehr, was sie kann. Hört sich gut an, wenn auch musikalisch nicht so ganz mein Fall. Um 20:25 Uhr etwa verlassen die beiden Künstlerinnen die Bühne wieder und kurz darauf wird selbige von Born betreten. Der junge Mann vom Über die Grenze-Label dürfte dem geneigten Leser mittlerweile ja recht bekannt sein, taucht er doch immer wieder im Kreise der Freunde von Niemand auf. Er bringt ein paar Stücke aus seinem neuen Album „Rapression“ mit, welches Ende April erscheinen wird aber auch heute darf „Stimme, Flow, Technik“ nicht fehlen. Das Publikum geht gut ab, ihnen gefällt, was Born da zeigt. Gegen 20:40 verlässt er die Bühne wieder und Hadi kündigt mein erstes Highlight an diesem Abend an. Face. Ich bin ja immer noch ein bissl angefressen, dass ich die Rot-Releaseparty im Nachtleben verpasst habe, um so mehr freue ich mich, ihn jetzt live zu sehen. Das Album fand ich richtig, richtig gut, läuft bei mir auch immer noch rauf und runter und ich bin gespannt, für welches Live-Set er sich entschieden hat. Der Junge kommt auf die Bühne und legt sofort mit dem „Intro“ seines Albums los, welches direkt in „Rot“ übergeht. Ich merke schnell, dass der Live-Face für mich gewöhnungsbedürftig ist. Für meinen Geschmack schreit er zu sehr, was er jedoch offenbar mit Absicht macht. Und dem Publikum gefällts, die Stimmung ist gut. Es folgt „Diamant“ und zwischen den Liedern sind weiterhin immer wieder Fußballgesänge zu hören. Mit „Blind“ hat Face sich dann auch einen etwas ernsteren Song mit ins Set geholt, der nächste Track „Constantine“ ist mein Favorit aus dem Face-Set heute Abend. Das nächste Stück überrascht mich dann … „Eiskalt“ … hätt ich nix drauf gewettet. Als Face nach der ersten Strophe jedoch abbricht, ist mir klar, worauf es hinausläuft. Face erklärt, er habe der betroffenen Person gesagt, er werde den Song eines Tages vor 1000 Leuten spielen. Dies habe er nun hiermit getan. Und dann folgt ein wunderbarer Übergang zu „180“, welches das Support-Set für den heutigen Abend beschließt. Face verlässt die Bühne, das Publikum ruft nach einer Zugabe und kurze Zeit später dröhnt Boscas Stimme durch die Halle. Wir hören Fetzen von Interviews. Oder nur von einem Interview? Auf dem Oberrang ist es jedenfalls recht laut und brummt in den Ohren. Vorfreude. Spannung. Was wird der Opener sein? Gegen zehn nach neun betritt Bosca mit seinem Backup V-Acht die Bühne und legt mit dem Intro „In meiner Gegenwart“ seines neuen Albums los. Es folgt der Namensgeber „Cobra“. Die Musik knallt aus den Boxen kommt jedoch nicht ganz bis am Oberrang an. Hier oben ist es recht leise und Bosca klingt irgendwie komisch. Anders. Bin gespannt, wie sich das bei den Songs darstellt, die ich schon öfter mal live von ihm gehört habe.

Als nächstes bekommen wir jeweils die erste Strophe von „In einer Welt“ und „Platz in meinem Herzen“ dargeboten und dann folgt der von mir sehr geschätzte „Tunnelblick“. Wir begeben uns direkt wieder in neuere Gefilde und Bosca präsentiert uns mit „Lausch meiner Stimme“ einen Song vom aktuellen Album der klar zu meinen Favoriten zählt. „Lampenfieber“ wird uns als verfrühtes Highlight angekündigt und auch „Über den Tellerrand“ passt gut ins Set. Immer für eine Überraschung gut hat der Junge auch „Lebenslinien“ dabei, ein Bonus Track den ich mir bislang zugegebenermaßen noch nicht angehört habe.

Mit dem Klang in der Halle kann ich mich aber irgendwie immer noch nicht anfreunden. Und Bosca klingt einfach ungewohnt ohne Vega, aber ich habe ja noch einige Abende vor mir, um mich daran zu gewöhnen. „Fremd in diesem Land“ habe ich im vergangenen Jahr einige Male live gehört – heute klingt es komplett anders. Ob es an der Größe der Halle liegt? Am Oberrang? Oder macht ein (anderes) Backup tatsächlich so einen Unterschied im Klang? Ich beschließe, dies weiter zu beobachten.

Nach „Schrei’s in die Welt“ ist es für Face wieder Zeit, auf die Bühne zu kommen. Erst werden die „Düsen auf den Tisch“ gepackt und dann zeigen die „Ratten der Stadt“ was sie so können. Bosca hat sich offenbar etwas zu sehr verausgabt, er beklagt sich, dass überall Bändel aus seinem Körper kommen … Schnürsenkel … Gürtel … InEar-Gear … Es hilft aber alles nix, es muss weitergehn. Tut es auch. Mit „Fähnchen im Wind“, auch ein neuer Song, den ich sehr gerne mag. Für das nächste Stück holt Bosca sich weibliche Verstärkung, die wunderschöne Nea und Aylin, die wir schon zu Beginn der Show singen hören durften. Beide unterstützen mit ihren unglaublichen Stimmen Boscas „Weiterlaufen“ und bleiben gleich noch ein wenig für „Später Sommer“. Währenddessen gibt es eine kleine Schieberei auf dem Oberrang, welche Bosc nicht entgeht und die er von der Bühne aus zu schlichten versucht. Während unten im Publikum Schnaps verteilt wird, tragen die Security auf dem Oberrang diverse Streithähne zur Feuertreppe raus. Das Publikum konnte seinen Durst stillen und es folgt das obligatorische Medley, heute bestehend aus Fragmenten von „So mächtig“, „Mit oder gegen uns“, „Hier bei uns“, „Unser Tag“, „In meinem Frankfurt“ (welches ich sehr sehr sehr gerne ganz gehört hätte), „Welche Worte“, „Meine Feinde“ und „In the air“.

Von vielen sicherlich sehnsüchtig erwartet betritt nun auch Vega die Bühne. Aufwärmen mit „Dafür brauch ich kein Mic“ und dann kommt der Song auf den ich mich heute Abend schon ein bisschen sehr gefreut habe – „Kings im Rapgame“. Ich stelle fest, gefällt mir nicht nur auf Platte sondern auch live. Vor allem das „oh oh ohoh“ klingt im Fanchor richtig nice. Zu „2 Sekunden Pt 2“ werden wieder die großen Fahnen ausgepackt und ich frage mich, wie unfassbar anstrengend das sein muss, dieses riesige Ding über den ganzen Song zu schwenken. Aber die Jungs sind ja sicher Stadionerprobt.

Zum nächsten Song wünscht sich Bosca zehn Geburtstagskinder auf die Bühne. Die ersten melden sich eher zögerlich, generell ist es fraglich, wie viele auf der Bühne nun tatsächlich Geburtstag haben aber dieses Spektakel gönn ich jedem da oben. Es muss ein unfassbar geiler Anblick sein von da oben auf das Publikum blicken zu können. Die ganze Halle soll Happy Birthday singen und dann bleiben alle für den „Steinadler“ auf der Bühne. Beim Refrain ruft Bosca zum Bühnen-Pogo auf und ich bin ein wenig neidisch. Ein Mädel steht einfach stocksteif auf der Bühne … die Gelegenheit vor 1,3k Menschen abzugehen und die steht einfach nur da. Argh. Weils so schön war (ehrlich gesagt hab ich den Grund nicht mitbekommen), das ganze gleich nochmal. Der „Steinadler“ wird nochmal gespielt, die Geburtstagskinder bleiben auf der Bühne, es gibt wieder Pogo.

Beim vorerst letzten Song des Abends verpasst Bosca den Einsatz. Er startet den Track nochmal und diesmal passt alles bei seinem Outro „Polar Lights“. Eine kurze Pause, alles geht von der Bühne nur um gleich darauf zurückzukommen. Es geht weiter mit „König der Luft“, dann ein weiterer verpasster Einsatz mit Neustart bei „Lass die Hunde vor die Tür“ zu dem überraschenderweise auch Timeless auf die Bühne kommt, mit dem ich diesen Abend ehrlich gesagt nicht mehr gerechnet hatte, über den ich mich aber sehr freue. Zu „Der mit den Adlern fliegt“ ist auch Vega wieder auf der Bühne und mit dem „Outro“ von „Solange es schlägt“ wird der Abend dann beschlossen.

Heute bleibe ich nicht um am Merchstand mit den Jungs zu schnacken, ich bin noch ziemlich im Arsch von meiner Erkältung und sehne mich nach meiner Couch. Alles in allem war das Konzert irgendwie merkwürdig. Ich habe jedoch auch nicht all zu viel erwartet, da mir die Batschkapp eh zu groß ist. Ich freu mich auf die kommenden Konzerte in den kleineren Clubs, vor allem natürlich auf Aschaffenburg.

Was mir sehr gefallen hat ist, dass Bosca fast alle Lieder von seinem neuen Album gespielt hat – wie es sich für eine Releaseparty gehört haha – ich meine es haben nur „Erkenne deinen Feind“ und „Vorherbestimmt“ gefehlt. Ich bin gespannt, wie sich das Set für die Tour noch verändern wird, welche Gäste wir in Aschaffenburg zu erwarten haben und wie Bosca solo in anderen Städten ankommt – hat er doch heute Abend einen enormen Heimvorteil genossen.

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