Böhse Onkelz – Memento-Tour – 24.11.2016, Dortmunder Westfalenhalle

Den Day-Off gestern genutzt um das frisch winterbereifte Auto aus der Werkstatt zu holen und noch mal eine Runde zu chillen wollte ich am heutigen Tag eigentlich gegen halb acht aufstehen. Liegenbleiben ist dann einfach zu verlockend und so wird es doch eher eine Stunde später. Nun aber hurtig, schließlich steht uns noch die Fahrt nach Dortmund bevor.

So richtig kann ich es mir noch nicht vorstellen heute Abend wieder auf einem Konzert zu sein und bin damit glücklicherweise nicht alleine – dem Hesse gehts genauso. Während wir beide das Auto packen macht Firma noch ein paar letzte Besorgungen bei einer Supermarktkette und so gegen halb elf geht es dann los in den Pott.

Keine besonderen Vorkommnisse auf der Fahrt und so erreichen wir gegen zwei Uhr die Halle. Der Bus wird zum Wohnzimmer umgebaut, die Vordersitze gedreht, der Tisch ausgeklappt und die Standheizung aufgedreht. Der Einlass ist in Sichtweite, aus den Boxen bereichere ich jeden der es hören will (oder auch nicht) mit den Klängen der Freunde von Niemand. So lässt es sich auf einer Tour leben.

Ich brauche ein Klo und wir alle können etwas Stärkung vertragen. Da besteht, außer dem Weg, aber kein Zusammenhang. Zunächst suchen wir die futuristische Toilette vor der Halle auf. Es steht eine kleine Schlange davor, sollte schnell gehen. Dachte ich. Diese Toilette reinigt sich jedoch nach JEDEM Toilettengang selbst. Und der Reinigungsvorgang dauert gefühlt (und vermutlich auch real) jeweils fünf Minuten. Es dauert ewig, bis ich dran bin. Im Anschluss kümmern wir uns um das Thema Stärkung und kaufen uns am Imbiss Wurst.

Danach erholen wir uns im Bus noch ein wenig von der anstrengenden Fahrt und beobachten einen Jungen, der sich noch schnell ein T-Shirt über den Hoodie zieht. Leider steckt die Kapuze des Pullis noch im T-Shirt, was aussieht als hätte der arme Kerl einen Buckel. Es ist ein Drama und wir sitzen hilflos im Auto und können nichts tun. Der Arme bleibt seinem Schicksal überlassen. Im Laufe des weiteren Nachmittags läuft er noch einige Male am Bus vorbei, auf sein Kaputzendilemma hat ihn jedoch offensichtlich nie jemand angesprochen. Wir sitzen im Bus und gestikulieren ihm zu. Aussteigen wäre nun wirklich zuviel des Guten, draussen ists schließlich kalt. Bald bekommen wir Besuch. Zusammen mit Do, Maggi, Hutze und Caviezel kuscheln wir im Boscar, zur Feier des Tages laufen inzwischen die Onkelz. Gegen halb sechs kommt ein freundlicher junger Mann des Weges und schenkt uns eine illegale Haschischzigarette. Das Leben ist schön. Mittlerweile haben sich alle heute zu erwartenden Forenbekanntschaften am Bus eingefunden und wir machen uns gegen sechs gemeinsam auf den Weg in die Halle. So 50 Meter müssen wir bestimmt laufen bis wir am Einlass sind. Kontrollen gibt es keine.

Der Innenraum ist noch recht leer und wir beschließen, das Konzert heute von etwas weiter hinten zu erleben. Die Vorgruppe fängt wieder pünktlich an, die im Vorfeld angepriesene Tochter Alice Coopers sehe ich nicht, was ein wenig Verwunderung auslöst. Die Stimmung ist von hier hinten schwer einzuschätzen aber es fliegen immerhin keine Becher. Und weil ihre Mütter ihnen das nie glauben werden, machen Beastö Blankö am Ende ihres Gigs auch noch ein Foto mit dem Publikum. Gegen acht verlässt die Band wieder die Bühne.

Geschätzte 40 Minuten später geht das Licht wieder aus und das Intro der Onkelz dröhnt durch die Boxen und in meinen Ohren. Ich hab Bock. Bei der ersten Ansage kündigt Stephan die Aufnahme der CD „Live in Dortmund II“ für die beiden Abende im Pott an. Ich frage mich, ob eine „Live in Vienna II“ folgen wird. Später erfahren wir, dass offenbar auch die Live-DVD für Dortmund geplant war, die Bühne jedoch durch die Hallenstatik nicht komplett aufgebaut werden konnte.

Bevor ich deine Füße küsse, werde ich sie dir waschen.

Bei „Auf die Freundschaft“ werden gefühlt alle im Publikum im Umlauf befindlichen Becher hochgehalten, was einfach irre aussieht. Wir beobachten einen Typen, der (vermutlich stark alkoholisiert) nach der Tür sucht, welche ihn nach draußen führt. Er taumelt die runde Wand des Innenraums ab und immer, wenn er die Tür fast erreicht hat macht er eine Art Ausfallschritt zur Gleichgewichtsregulierung welcher ihn jedes Mal aufs neue so aus seiner Taumelbahn wirft, dass er den Ausgang immer wieder verpasst. Es sieht zum schießen aus. Die Geschichte nimmt irgendwann ein gutes Ende, der Zufall will es, dass er die Tür schließlich erreicht. Ich werde nie erfahren, wie sein weiterer Abend verlaufen ist.

Das Konzert macht Spaß, die Stimmung in der Halle ist gut, es ist laut, es wird mitgesungen, die Aussicht auf der Live-CD „zu hören“ zu sein scheint einige noch mal eine Ecke mehr zu motivieren.

Gegen viertel vor elf ist das Konzert dann zu Ende und dafür, dass ich am heutigen Morgen gar keine Lust auf ein Konzert hatte bin ich doch nun einigermaßen traurig. Wir begeben uns zusammen mit Maggi und Anti wieder zum Bus, der Kanzler mit seiner Gang stoßen schließlich auch noch zu uns. Wir haben geplant die Nacht bei Firma zu verbringen, welcher einigermaßen in der Nähe wohnt. Vorher erklären wir uns bereit, Maggi zum Bahnhof zu fahren und weil des Kanzlers Bruder kurz vor dem Hungertod steht und jeder von uns eine Kleinigkeit im Magen vertragen könnte, beschließen wir, den Besuch des Bahnhofs mit dem Besuch eines dort ansässigen FastFood-Restaurants zu verbinden. Wir fahren also mit dem Bus voraus, die anderen sollten mit der Bahn nachkommen. Sollten. Zu meiner Freude sind sowohl McD als auch KFC brechend voll – wie nicht anders zu erwarten an einem Bahnhof nach einem Konzert. Während wir uns noch wundern, wo der Rest wohl bleibt erfahren wir, dass dieser von einer Hotelbar aufgehalten wurde. Futtergrantig verlange ich charmant, sie mögen ihren Arsch nun herbewegen nachdem wir extra wegen ihnen hergefahren sind. In der Zwischenzeit bahnt sich die nächste Katastrophe an. Ein Typ versucht sich vorzudrängeln. Man stellt sich nicht zwischen mich und mein Essen. Man stellt sich hinten an. So wie dieser Typ dann auch – notgedrungen. Ich erreiche mit meinem Essen endlich unseren Tisch, da bemerke ich ICH HABE DIE FALSCHEN POMMES BEKOMMEN. Ich sehe die Angst in den Augen meiner Mitreisenden. Ich gehe an die Theke um das Problem zu klären. Man schickt mir einen Begleiter mit, ich habe das Gefühl, er soll mich im Auge behalten, falls die Situation eskaliert. Tut sie nicht. Ich bekomme meine Pommes. Alles ist gut. Kanzler, Henkka und Co kommen schließlich auch noch, essen eine Kleinigkeit und dann verabschieden wir uns. Zu dritt machen wir uns auf den Weg in Firmas Gemächer um den Abend dort gemütlich ausklingen zu lassen und dann irgendwann selig zu schlummern.

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